Der Lebenszyklus von Wohngebäuden

Der Lebenszyklus von Produkten am Beispiel von Wohngebäuden

„Abriss oder Umbau“ – mit dieser Frage haben sich die französischen Architekten Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal gemeinsam mit Frédéric Druot beim Umbau des Tour Bois Le Prêtre, eines in die Jahre gekommenen 17-geschossigen Pariser Wohnhochhauses an der Porte Pouchet intensiv beschäftigt, und zukunftsweisende  Zeichen für die Aufwertung dieser Großwohnungsbauten gesetzt. Der Tour Bois Le Prêtre war eigentlich für den Abriss vorgesehen. Doch die Studie von Druot, Lacaton&Vassal aus dem Jahre 2004 machte sich „stark für den Umbau, der ökonomisch bestechend mit weniger Kosten auskommt als der Abriss. Sie setzt am unterschätzten Potential der Großwohnbauten aus der Nachkriegsmoderne an: der freie Blick, das umgebende Grün, die Verfügbarkeit von Grund und Boden…. Mit wenigen Eingriffen gelingt es den Architekten, größere Wohnungen und neue Serviceeinrichtungen über die Umnutzung der ehemals überdimensionierten Erschließungszonen entstehen zu lassen….. Die Aufwertung des Tour Bois Le Prêtre hat nicht – wie bei vergleichbaren Projekten eigentlich zu erwarten – einen Verdrängungsprozess der alten Mieterschaft in Gang gesetzt. Alle Bewohner, von denen einige seit 1959 in dem  Haus leben, wurden in die Planungsprozesse miteinbezogen und sind geblieben –  die Miete ist nach wie vor erschwinglich. “ (aus: DAM_Presseankuendigung_Druot_Lacaton_Vassal)

Im nachhaltigen Sinne ist die Planung und Umsetzung der Erneuerung des Tour Bois Le Prêtre bemerkenswert. Erstens wurde durch die Entscheidung, den Baukörper zu erhalten die darin enthaltene Energie weiter genutzt und zweitens die Umbauphase sozialverträglich umgesetzt. Das Projekt entspricht dem Konzept der Lebensdauerverlängerung und der Erhöhung der Nutzbarkeit von Produkten – in diesem Falle von Gebäuden. Die für die ursprüngliche Erstellung des Gebäudes aufgebrachte Energie wird nicht durch Abriss zerstört sondern über mehrere Jahrzehnte weiter verwertet. Die Planung erinnert an unser Konzept, demzufolge ein Produkt, eine Tasche, ein Konzept oder in diesem Falle ein Wohngebäude nachhaltig ist, wenn es langlebig ist und viele Jahre intensiv und mit Freude genutzt werden kann.

Das Projekt wurde im Deutschen Architekturmuseum vom 6. Oktober 2012 bis 13. Januar 2013 in Frankfurt am Main ausgestellt. Anlässlich der Ausstellung veröffentlichten die Architekten ein Manifest zur Planung und zum Umgang mit Gebäuden, das aber auch leicht auf Produkte und als generelle Haltung anwenden lässt. Einen Auszug kann man hier anhören – eingelesen von Catenia Lermer für die FritzD e.V. Sendung auf Radio X (www.radiox.de)

Links:
http://www.lacatonvassal.com/index.php?idp=56
http://www.dam-online.de/uploads/DAM_Lacaton_Vassal_BUs_Pressebilder.pdf
http://www.dam-online.de/portal/de/Presse/Pressearchiv/1912/0/71540/mod1248-details1/1585.aspx

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